In der Hand des Anderen

Das Jahr 2022 neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Ich weiß noch, wie am Ende des Jahres 2021 Hoffnung in Sicht war, dass sich das Leben wieder etwas normalisieren wird. Für das Jahr 2022 wurde Besserung prognostiziert. Erholung für die Wirtschaft und für das eigene Wohlbefinden. Die Jahre des pandemiegesteuerten Lebens sollten vorüber gehen. Denn dass die Regeln einer Pandemie den eigenen Alltag bestimmen, löste bei vielen ein Gefühl der Fremdsteuerung aus.

Zermürbende Unsicherheit

Und dann kam das Jahr 2022. Eine Zeitenwende, wie unser Bundeskanzler es ausdrückte. Unter Präsident Putin wird die Ukraine überfallen. Ein souveräner Staat in Europa. Zwei Flugstunden von Berlin entfernt. Das hätte man Putin am Anfang irgendwie nicht zugetraut. Das kam plötzlich. Wir Menschen in der Westlichen Wohlstandsgesellschaft, die pazifistisch ist und mit sich selbst beschäftigt, waren nicht auf so etwas vorbereitet. Auch das noch. Da wollte man die Last einer Pandemie abschütteln, die das Leben bestimmte und plötzlich scheint es, als ob das eigene Leben, ja sogar das Überleben, in der Hand eines anderen liegt. In der Hand eines wahnsinnigen Tyrannen, von dem man nicht mehr weiß, was man ihm zutrauen kann. Ein Spiel der Angst, was zur boshaften Taktik gehört.
Es ist diese dauernde Unsicherheit, die zermürbt. Irgendwo hat jemand die Macht, mit einer Fehlentscheidung die Welt in den plötzlichen Abgrund zu stürzen und auch mein Leben zu beenden. Das hat man sonst immer so in den Filmen gesehen, wo am Ende doch noch alles gut wurde. Und jetzt? Keine Ahnung.

Vertraue ich der Hand, die mich hält?

Eigentlich sollte mir dieses Bewusstsein, dass mein Leben in der Hand eines anderen liegt, ja ziemlich präsent sein. Denn schließlich glaube ich ja, dass mein Leben in Gottes Hand liegt. In einer Gesellschaft, in der der Lebensweg sowieso ziemlich sicher ist, ist diese Aussage vermutlich zu einer weiteren absichernden Floskel geworden.
Aber diese jetzige Situation – die Angst, dass mein Leben ganz praktisch in der Hand eines anderen liegt, lädt zum Reflektieren ein, in wessen Hand ich mein Leben wirklich gegeben habe und ob ich dieser Hand – demjenigen, dessen Hand mein Leben hält, wirklich vertraue.

Gehorsam bis in den Tod

König David kannte die Situation, dass sein Leben in den Händen von anderen lag, ziemlich gut. Und auch er berichtet uns in den Psalmen von den Angstgefühlen, die er durchlitten hat. Wirkliche existenzielle Ängste. Doch er wusste, dass sein Leben in Händen liegt, die größer sind als die seiner Feinde. Nämlich in Gottes Händen. Gott – der allmächtige, gnädige, gerechte, treue und liebevolle Gott, der dich und mich geschaffen hat. Der seinen Sohn sandte, der sich für uns hingab.
Jesus hat uns vorgelebt, was es heißt, sein Leben in Gottes Hand zu legen. Ganz wortwörtlich. Er war gehorsam bis in den Tod, den er mit seiner Auferstehung besiegt hat. Der Tod hat also keine Macht mehr. Und die Sünde, das Getrenntsein von Gott, was den Tod zur Folge hat, kann uns nicht mehr von Gott trennen, wenn wir uns auf Jesus berufen. All das konnte er nur tun, weil er wusste, in wessen Hand sein Leben wirklich liegt. So wie nach ihm seine Jünger und bis heute noch seine Jüngerinnen und Jünger weltweit.
Die Botschaft vom Sieg Jesu über den Tod und die Botschaft der Vergebung Gottes, dem Königreich Gottes, in dem er uns jede Träne abwischen wird und in dem es keine Ungerechtigkeit mehr geben wird – diese Botschaft wird weltweit verbreitet, weil diejenigen, die diese Botschaft verkünden, wissen, dass ihr Leben in Gottes Hand liegt und nicht in den Händen, die sie bedrohen und die sie mitunter auch foltern und töten.

Gott steht mit seinem Namen ein

Ja, es ist unangenehm, wenn man daran denkt, dass das eigene Leben unter anderem von Entscheidungen eines Wahnsinnigen abhängt. Aber glaube ich wirklich, dass mein Leben einer anderen Macht übergeben ist? Sogar dem Allmächtigen? Ich möchte mich nicht von der Angst erdrücken lassen. Ich möchte mich darauf besinnen, in wessen Hand mein Leben wirklich liegt. König David hat das auch so gemacht und dabei sind auch einige schöne Zeilen bei entstanden:

„Ja, du bist mein Fels und meine Burg! Du wirst mich führen und leiten – dafür stehst du mit deinem Namen ein. Befreie mich aus der Falle, die meine Feinde mir hinterhältig gestellt haben! Du bist mein Schutz. In deine Hände gebe ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott!“
– Psalm 31, 4-6; Neue Genfer Übersetzung (NGÜ)

Nicht nur Hipp steh für etwas mit seinem Namen ein, sondern Gott höchstpersönlich steht mit seinem Namen dafür ein, mich zu führen und zu leiten. Was auch kommen mag. Mein Leben liegt in seiner Hand. Und auch mein Tod liegt in seiner Hand. Den Tod hat er überwunden, er sollte mir keine Angst machen. Und auch wenn schwere Zeiten kommen können, wird er mich hindurchführen. Meine Aufgabe ist es, mich darauf zu besinnen, in wessen Hand ich wirklich bin. Und ganz ehrlich, das macht es leichter. Denn ich habe erfahren, dass diese Hände wirklich tragen und dass Gottes Treue und Liebe nicht vergehen. In seine Hände habe ich mein Leben gegeben. Komme was wolle. Und er ist es, für den es sich zu leben lohnt, denn das Leben, das er schenkt, geht über den Tod hinaus. Nichts kann mich von ihm trennen. Nichts kann seine Liebe zu mir mildern. So hat es auch jemand geschrieben, der vor ca. 2000 Jahren ebenfalls erlebt hat, was für einen Unterschied es macht, wenn man sein Leben in die Hand Gottes legt:

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“
– Römer 8,38-39; NGÜ

Auch König David hat es woanders noch schön ausgedrückt, was es für Auswirkungen hat, in der Hand Gottes zu sein:

„In Frieden kann ich mich nun hinlegen und schlafen. Denn du, HERR, gibst mir einen Ort, an dem ich unbehelligt und sicher wohnen kann.“
– Psalm 4,9; Die Lutherbibel 2017

Jesus ist unsere Sicherheit

Ich weiß nicht, wie du die letzten Monate erlebt hast. Vielleicht findest du dich ja wieder in den Gedanken. Vielleicht kennst du dieses ungute Gefühl, das sich breit macht, wenn man die Nachrichten liest. Dieses Gefühl, dass es keine wirkliche Sicherheit mehr gibt. Wenn dem so ist, möchte ich dich ermutigen, dich darauf zu besinnen, wer wirkliche Sicherheit bieten kann, die über den Tod hinaus geht. Wer wirkliches Leben schenken kann, das über dieses Leben hinaus geht. Bei den vielen Eindrücken, die zu verschiedenen Emotionen führen können, hilft es, sich neu zu fokussieren. Neu auf den zu schauen, dessen Hand wirklich trägt und dessen Hand einen nicht mehr loslässt. Jesus.