06. Dezember 2018: Ich begrüße dich zu meiner letzten Kolumne vor Weihnachten und hoffe, dass du dir in den nächsten Minuten etwas mitnehmen kannst.

Am Montag hatten wir Hauskreis und oftmals erzählen wir am Anfang wie es uns gerade geht. Meine Antwort war zunächst "gut" und dafür gibt es auch genug Gründe, denn meine Umstände sind wirklich gut. Als mir signalisiert wurde, dass da doch bestimmt noch was fehlt, sagte ich: "Ich fühle mich gelangweilt – und zwar von fast allem." Klingt nicht gerade beneidenswert und im Anschluss des Abends habe ich viel darüber nachgedacht und heute dann endlich eine Erkenntnis gehabt.

Ich habe vor einem Jahr meinen Job in einer Unternehmensberatung hingeworfen und mich entschieden Kunstgeschichte zu studieren. Ich habe eine Leidenschaft dafür und liebe es jeden Tag etwas Neues zu lernen. Ebenso habe ich in Halle geniale Leute kennengelernt, fühle mich in meiner Gemeinde sehr wohl und kann mich mit meinen individuellen Gaben einbringen. Warum spüre ich also diese 'Langeweile'? Heute durfte ich erkennen, dass es sich in diesem Kontext nicht um Langeweile handelt, sondern darum, dass mir eine Sache viel wichtiger geworden sind.

Seit einiger Zeit lese ich viel Kierkegaard und insbesondere über seine Ansichten zum Thema 'Nachfolge', höre mir Vorträge und Predigten an, lese die Bonhoeffer Biografie und bin darüber so fasziniert, dass ich mir gestern sein Buch "Nachfolge" gekauft habe und es kaum erwarten kann, es zu lesen. Die anderen Sachen, insbesondere die Inhalte meines Studiums sind objektiv gesehen genau so spannend, wie vor einem Monat, aber für mich gibt es im Moment wichtigere Fragen und ich ärgere mich, dass ich so wenig Zeit dafür finde.

Seit vielen Jahren stelle ich mir die Frage nach dem Sinn des Lebens und habe sie für mich beantwortet: Gott hat diese Welt perfekt geschaffen; durch den Sündenfall leben wir in einer kaputten Welt und die Sünde trennt uns von Gott; wir sind bedingungslos auf Gnade angewiesen; Jesus ist Wahrheit, Leben und der einzige Weg zu Gott; ich habe sein Geschenk angenommen und bin ein geliebtes Kind Gottes. Halleluja. Diese Frage ist geklärt, aber eine andere Frage ist mir in diesem Zusammenhang wichtig geworden: "Was hat das alles für Auswirkungen?" Man kann nicht Christ werden, ohne dass sich das Leben radikal ändert.

Jesus spricht in der Bibel sehr oft von Nachfolge. Er sucht eben keine Bewunderer, sondern Menschen, die ihm nachfolgen. Nicht Anhänger und Bewunderer einer Lehre, sondern Nachfolger seines Lebens. Kierkegaard macht den Unterschied deutlich und ich versuche es durch ein eigenes Beispiel zu verdeutlichen.

Ich spiele Klavier – eher so lala, aber ich bin froh, dass ich es so gut kann. Ich liebe klassische Musik und wenn ich in einem Klavierkonzert sitze, dann ist es völlig in Ordnung, wenn ich den Pianisten bewundere. Es geht um eine Gabe, die Gott ihm gegeben hat. Durch das bloße Bewundern schaue ich weg von mir und kann mich an der Schönheit des Klavierspiels erfreuen. Ich werde nicht neidisch oder missgünstig und stelle mir nicht die Frage: "Gott, warum er und nicht ich?"

Völlig anders verhält es sich bei der folgenden Situation: Ich kenne einen guten Freund, der sehr hilfsbereit und freundlich ist. Ich bewundere diese Eigenschaft an ihm und merke, dass ich oft egoistisch handele. An dieser Bewunderung ist auch nichts auszusetzen, aber sie ist eben nur der erste Schritt. In diesem Beispiel wäre es dumm, wenn ich ihm applaudiere – wie ich es beim Pianisten im Anschluss an das Konzert tue – dann aber an dieser Stelle stehenbleibe. Nein, es gilt sich hier ein gutes Beispiel zu nehmen und sich diese, als gut erkannten Eigenschaften, anzueignen. Bewunderung ist passiv, Nachfolge aktiv. Das Talent der nächste Lang Lang zu werden habe ich nicht, und ich glaube, das betrifft die meisten von uns.
Nachfolge bedeutet also – in Abgrenzung zur Bewunderung – selbst aktiv zu werden und dem Vorbild ähnlicher zu werden. Damit meine ich ganz entschieden nicht: "Streng dich an und werde ein besserer Mensch." Ich meine damit: Schau auf Jesus und folge ihm nach!

Kierkegaard schreibt dazu: "Die rechte Nachfolge kommt nicht dadurch zustande, dass man predigt: 'Du sollst Christus nachfolgen', sondern dadurch, dass man davon predigt, was Christus für mich getan hat. Fasst und fühlt dies ein Mensch recht tief und wahr, wie unendlich viel Christus für ihn getan hat, so folgt die Nachfolge schon von selber."

Es geht um klares Evangelium und um Jesus; und er ist eben radikal in seinen Aussagen:

Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

Markus 8, 34 – Lutherbibel 2017

Ich habe erkannt, dass ich mehr ein Bewunderer, als ein Nachfolger bin. Ich möchte das ändern. Deshalb interessiert mich das Thema 'Nachfolge' auch gerade mehr als "der Einfluss des Primitivismus auf die Maler des deutschen Expressionismus." Es ist um ein Vielfaches relevanter.

Dazu noch eine Passage von Kierkegaard: "Wenn ein mächtiger Kaiser einen Gesandten in einem höchst wichtigen Anliegen abschicken wollte und dazu einen Kammerherrn wählte, worüber sich die Vornehmen in hohem Grade aufhielten, da sie selber gern die Gesandtschaft gehabt hätten: diese Lage wollen wir nun einmal betrachten. Der Gesandte reist also ab. Aber der Auftrag war eigentlich nicht geradezu angenehm zu nennen; denn das Volk, zu dem er kam, wurde über seinen Auftrag rasend, und ohne Achtung vor dem Völkerrecht und vor dem mächtigen Kaiser, dessen Person er vertrat, überfielen sie ihn, schlugen sie ihn, spuckten ihn an und jagten ihn wie einen Hund aus der Stadt hinaus. Nun wollen wir uns den Augenblick vorstellen, da er heimkehrt. Da tritt er nun beim Kaiser herein, verneigt sich untertänig vor ihm und sagt, bevor er zu dem Bericht über seinen Auftrag übergeht: 'Lassen Sie mich, Majestät, nochmals für die unbeschreibliche Gnade danken, die Sie mir dadurch erwiesen haben, dass Sie mich mit diesem Auftrag betrauten.' So ist es also genauso, wie wenn ein Apostel Gott dafür dankt, dass er gestäubt wurde. Eigentlich dankt er ihm jedoch nicht dafür, dass er gestäupt wurde, sondern vielmehr für die Gnade, dass er ihn zu seinem Abgesandten gemacht hat, und darüber vergisst er ganz, dass er in Verfolg dieses Auftrags gestäupt wurde."

Im Moment beginne ich erst langsam zu verstehen; keineswegs fühle ich mich danach. Aber so verstehe ich Nachfolge und so versteht Jesus Nachfolge und deshalb können wir diese Passagen nicht überspringen.

Der reiche Jüngling (Matthäus 19, 16ff), der nicht bereit war alles hinzugeben, um Jesus nachzufolgen, geht traurig davon. Ich bin gespannt, wohin mich die Reise führt und was ich dir im nächsten Jahr zu berichten habe. An dieser Stelle bleibt mir nur, dir eine frohe Weihnachtszeit zu wünschen und ich hoffe sehr, dass wir mehr und mehr Nachfolger Jesu werden; voller Freude und Leidenschaft.


Ein Beitrag von Maximilian Stopp.
Maximilian studiert Kunstgeschichte an der MLU Halle und ist leidenschaftlicher Nachfolger Jesu. Er schreibt für uns alle zwei Wochen seine Kolumne "Ebbe und Flut" und trägt den Wunsch auf dem Herzen, euch von seinen Höhen und ebenso Tiefen im Glauben und in der Nachfolge zu erzählen.

← AUSGABE 6